Malika Agueznay, Le Paradis sous les pas des mères (1996). Foto: Hamadi Ananou. Courtesy Mehdia Agueznay.
Willkommen
Dieser Leitfaden hilft Ihnen, mehr über die 36. Bienal de São Paulo zu erfahren.
Die Bienal de São Paulo ist eine sehr große und berühmte Kunstausstellung in dem Land Brasilien. Sie findet alle zwei Jahre statt.
Die Bienal heißt viele Besucherinnen und Besucher willkommen.
Sie haben unterschiedliche Hintergründe, sind unterschiedlich alt und kommen aus verschiedenen Kulturen.
Sie leben auf unterschiedliche Weise.
Sie zeigen ihre Gedanken und Gefühle auf unterschiedliche Weise.
Diese Vielfalt ist wichtig.
Sie hilft dabei, die Bienal zu einem Ort für alle Menschen zu machen.
Der Titel der 36. Bienal de São Paulo ist: „Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis“.
Das ist das offizielle Plakat zur Ausstellung:
Visual: Studio Yukiko / Fundação Bienal de São Paulo
Die Teams der 36. Bienal de São Paulo und des Hauses der Kulturen der Welt helfen Ihnen gern.
Sie heißen Sie willkommen, beantworten Fragen, unterstützen Sie bei Ihrem Besuch und geben Ihnen Informationen.
Sie haben die 36. Bienal mit großer Sorgfalt vorbereitet.
Wir möchten, dass sich alle Menschen willkommen fühlen.
Wir wünschen Ihnen einen schönen Besuch.
In Brasilien findet die Bienal de São Paulo vor allem im Ciccillo-Matarazzo-Pavillon im Ibirapuera-Park statt. Der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer hat dieses Gebäude entworfen.
Foto: Natt Fejfar / Fundação Bienal de São Paulo.
Inhalt
Einführung
Was ist die Bienal de São Paulo?
Zum Titel der 36. Bienal de São Paulo
Wer organisiert die Bienal de São Paulo?
Zum Konzept und zum kuratorischen Projekt der 36. Bienal de São Paulo
Wanderausstellung der Bienal de São Paulo im Haus der Kulturen der Welt
Zu den Kunstwerken und Künstlerinnen und Künstlern
Alberto Pitta
Ana Raylander Mártis dos Anjos
Juliana dos Santos
Lidia Lisbôa
Malika Agueznay
Mao Ishikawa
Maria Auxiliadora
Angebote für Barrierefreiheit
Mitwirkende
Was ist die Bienal de São Paulo?
Die Bienal de São Paulo ist eine Kunstausstellung.
Sie findet alle zwei Jahre in São Paulo in Brasilien statt.
Die erste Bienal fand 1951 statt.
Die Bienal gibt es seit mehr als 70 Jahren.
Die 36. Bienal de São Paulo fand im Jahr 2025 statt.
Die Bienal de São Paulo ist eine der größten Kunstausstellungen der Welt.
Sie zeigt zeitgenössische Kunst.
Zeitgenössische Kunst ist Kunst aus unserer Zeit.
Dazu gehören vor allem Kunstwerke aus den vergangenen 60 Jahren.
Die Bienal hat drei Hauptziele:
– Sie unterstützt Künstlerinnen und Künstler bei ihrer Arbeit.
– Sie fördert Gespräche über wichtige Themen in der Gesellschaft.
– Sie macht Kultur für alle Menschen zugänglich.
Viele Menschen besuchen die Bienal.
Im Jahr 2025 besuchten mehr als 780.000 Menschen die Ausstellung.
Die Bienal hat ein Bildungsteam.
Das Team sorgt dafür, dass alle Menschen zeitgenössische Kunst erleben und genießen können.
Bild eines Kunstwerks bei der Bienal de São Paulo in Brasilien © Natt Fejfar / Fundação Bienal de São Paulo
Zum Titel der 36. Bienal de São Paulo
„Nicht alle Reisenden folgen Wegen –
Humanität als Praxis“
Der Titel ist von dem Gedicht „Von Ruhe und Stille“ der brasilianischen Schriftstellerin Conceição Evaristo angeregt.
Er soll zum Nachdenken einladen.
Eine reisende Person ist jemand, der reist.
Eine reisende Person kann auch jemand sein, der sich im Leben weiterentwickelt.
Der Titel lädt Künstlerinnen, Künstler, Besucherinnen und Besucher ein, über das Leben nachzudenken.
Foto von Conceição Evaristo © Levi Fanan / Fundação Bienal de São Paulo
Foto von Conceição Evaristo © Levi Fanan / Fundação Bienal de São Paulo
Wer organisiert die Bienal de São Paulo?
Zur Fundação Bienal de São Paulo und zum Team der Kuratorinnen und Kuratoren
Die Fundação Bienal de São Paulo ist eine private Organisation.
Sie möchte keinen Gewinn machen.
Sie organisiert die Bienal de São Paulo und andere Kulturprojekte.
Dazu gehört zum Beispiel der brasilianische Pavillon bei der Biennale von Venedig.
Die Fundação hat auch ein historisches Archiv für moderne und zeitgenössische Kunst.
Ein Archiv sammelt wichtige Unterlagen. Es bewahrt sie auf. Es ordnet sie.
Das Archiv enthält Bücher, Fotografien, Zeitungsartikel, Videos und andere wichtige Dokumente.
Es heißt Arquivo Histórico Wanda Svevo.
Es gehört zu den wichtigsten Kunstarchiven in Lateinamerika.
Die 36. Bienal de São Paulo hat einen Hauptkurator.
Ein Kurator entwickelt die Hauptidee einer Ausstellung.
Er wählt auch die Kunstwerke aus, die Teil der Bienal sind.
Der Haupt-Kurator der 36. Bienal heißt Prof. Dr. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung.
Er wurde in Kamerun geboren.
Heute lebt er in Berlin und leitet das Haus der Kulturen der Welt.
Er ist Professor, Autor und Kurator.
Er hat weitere Fachleute in das Konzeptteam eingeladen.
Gemeinsam hat das Team die 36. Bienal de São Paulo geplant.
Das Foto unten zeigt das Konzeptteam im Gebäude der Bienal.
Von links nach rechts: Keyna Eleison, Alya Sebti, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Henriette Gallus, Anna Roberta Goetz, und Thiago de Paula Souza © João Medeiros / Fundação Bienal de São Paulo
Zum Konzept und zum kuratorischen Projekt der 36. Bienal de São Paulo
Das Konzept beschreibt die wichtigen Ideen der Bienal.
Das kuratorische Projekt zeigt, wie das Team diese Ideen in der Ausstellung umsetzt.
Die 36. Bienal de São Paulo lädt uns ein, über die Rolle der Menschlichkeit in der heutigen Welt nachzudenken.
Wir leben in einer Zeit mit vielen Krisen:
– Soziale Krisen
– Politische Krisen
– Umweltkrisen
Die Bienal zeigt: Menschen können anders miteinander umgehen, wenn es Ungerechtigkeit gibt.
Wir können zum Beispiel daran arbeiten, dass es weniger Ungleichheit gibt.
Wir können füreinander sorgen.
Wir können respektvoll miteinander leben.
Das Konzeptteam wollte diese Ideen genauer verstehen.
Deshalb hat es die wichtigsten Themen der Bienal festgelegt.
Es hat auch die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler ausgewählt.
Eine wichtige Idee ist: Wir können uns die Gesellschaft wie eine Flussmündung vorstellen.
Eine Flussmündung ist ein Ort.
Dort fließt ein Fluss in das Meer, in einen See oder in einen anderen Fluss.
An einer Flussmündung am Meer treffen Flusswasser auf Meerwasser aufeinander.
Das Süßwasser und das Salzwasser vermischen sich.
In diesem Wasser gibt es viel Nahrung für Pflanzen und Tiere. Pflanzen und Tiere brauchen diese Nahrung zum Leben.
Flussmündung des Río de la Plata
In Brasilien und in ganz Lateinamerika gibt es viele Flussmündungen.
Viele Flussmündungen sind in Gefahr.
Einige liegen nahe bei Städten.
Dort wird das Wasser verschmutzt.
Das schadet den Pflanzen und Tieren, die dort leben.
Jetzt wissen Sie, was eine Flussmündung ist.
Stellen Sie sich die 36. Bienal als Flussmündung vor.
Die Künstlerinnen und Künstler kommen aus verschiedenen Orten.
Sie haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
Bei der Bienal kommen diese verschiedenen Sichtweisen zusammen.
Sie laden uns ein, uns eine Welt vorzustellen, in der jede Person einen Platz hat.
Die Bienal möchte wie eine Flussmündung sein.
Sie möchte viele Menschen, Ideen und Lebensweisen willkommen heißen und unterstützen.
Die Kuratorinnen und Kuratoren hoffen: Die Bienal wird ein lebendiger Ort.
Dort kommen Gemeinschaften, Kunst, Bildung und Kultur zusammen.
Die Bienal ist von den Landschaften und Geschichten Brasiliens und anderer Teile der Welt angeregt.
Sie zeigt durch Kunst Begegnungen zwischen verschiedenen Kulturen.
Diese Begegnungen haben die Geschichte Brasiliens geprägt.
Die Bienal lädt Menschen ein, zusammenzukommen und etwas zu verändern.
Das kann geschehen, wenn wir einander zuhören und verschiedene Lebensweisen wertschätzen.
Darum heißt die Bienal „Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis“.
Der Titel kommt aus einem Gedicht von Conceição Evaristo.
Er zeigt eine wichtige Idee der Bienal.
Alle Menschen brauchen Zeit und Raum.
Es ist wichtig, innezuhalten und auf kleine Details zu achten.
Dann achten wir auf andere Menschen, Tiere und Pflanzen um uns herum.
Die Bienal möchte der Gesellschaft helfen, Wege für Begegnung und Respekt zu schaffen.
Sie lädt uns ein, uns eine andere Welt vorzustellen.
In dieser Welt sind Freude, Schönheit und Poesie wichtig.
Sie lädt uns auch ein, uns eine Welt vorzustellen, in der jede Person wertgeschätzt wird.
Das ist besonders wichtig in einer Zeit, in der viele Menschen ausgeschlossen werden.
Wanderausstellung im Haus der Kulturen der Welt
Zum ersten Mal wird eine Wanderausstellung der Bienal de São Paulo in Deutschland gezeigt: im Haus der Kulturen der Welt in Berlin.
Eine Wanderausstellung ist eine Ausstellung oder ein Teil einer Ausstellung, die auch in einer anderen Stadt oder einem anderen Land gezeigt wird.
So können mehr Menschen die Bienal erleben.
Die Ausstellung in Berlin ist Teil der 36. Bienal de São Paulo.
Sie zeigt Werke von 32 Künstlerinnen, Künstlern und Kollektiven.
Die Kuratorin Alya Sebti hat sie ausgewählt.
Die Architektinnen und Architekten Gisele de Paula und Tiago Guimarães haben die Gestaltung der Ausstellung für die 36. Bienal de São Paulo entwickelt.
Für die Ausstellung in Berlin hat Gisele de Paula die Gestaltung an die Räume im Haus der Kulturen der Welt angepasst.
Die Gestaltung einer Ausstellung legt fest, wo Kunstwerke stehen oder hängen.
Sie umfasst auch die Farben und Materialien.
Diese Entscheidungen helfen Besucherinnen und Besuchern, die Idee der Kuratorinnen und Kuratoren zu erleben.
Die Gestaltung dieser Ausstellung ist von der Bewegung von Flüssen und Flussmündungen angeregt.
Nehmen Sie sich Zeit, wenn Sie durch die Ausstellung gehen.
Es gibt Orte zum Schauen, Zuhören und Ausruhen.
Die bunten Vorhänge erinnern an Flussufer.
Sie erinnern an Landschaften, die sich ständig verändern.
Besucherinnen und Besucher müssen keinem festen Weg folgen.
Sie können wie Reisende ihren eigenen Weg wählen.
Das Berliner Design-Studio Yukiko hat das Erscheinungsbild der 36. Bienal de São Paulo entwickelt.
Das Design ist durch Schallwellen und Flussmündungen angeregt.
Es zeigt wichtige Ideen der Bienal: Zuhören, Begegnung und Austausch.
Das Design erinnert uns daran: Menschen, Ideen und Kulturen können zusammenkommen.
Sie können voneinander lernen. Sie können neue Formen des Zusammenlebens schaffen.
Zu den Kunstwerken und Künstlerinnen und Künstlern
An der Wanderausstellung der 36. Bienal de São Paulo in Berlin nehmen 32 Künstlerinnen, Künstler und Kollektive teil.
Die Künstlerinnen und Künstler leben und arbeiten in verschiedenen Teilen der Welt.
In dieser Bienal finden Sie:
– Gemälde
– Installationen
– Skulpturen
– Fotografien
– Videos
Viele Kunstwerke in der Ausstellung machen laute Töne oder Geräusche.
Jetzt erfahren Sie mehr über einige Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung.
Alberto Pitta
Alberto Pitta arbeitet seit mehr als 40 Jahren als Künstler.
Er arbeitet vor allem mit bedruckten Stoffen und mit Siebdruck.
Siebdruck ist eine Technik zum Drucken.
Dabei druckt man Bilder auf Stoff oder Papier.
In den letzten Jahren hat er auch Gemälde und Skulpturen geschaffen.
Seine Arbeit ist durch afro-brasilianische Kulturen und das afrikanische Erbe in Brasilien angeregt.
Stoff ist sein wichtigstes Material.
Er verbindet damit Kunst, Geschichte und Gemeinschaft.
Alberto Pitta wuchs in einer Candomblé-Gemeinschaft in Salvador in Brasilien auf.
Candomblé ist eine afro-brasilianische Religion.
In dieser Religion kommen Traditionen, Musik, Zeremonien und Lebensweisen aus verschiedenen afrikanischen Kulturen zusammen.
Seine Mutter hieß Mãe Santinha de Oyá.
Sie war eine geistliche Leiterin im Candomblé, Pädagogin und Stickerin.
Für Alberto Pitta sind die Traditionen des Candomblé auch eine Kunstform.
Seit den 1980er-Jahren entwirft er Kostüme und Stoffmuster für afro-brasilianische Karnevalsgruppen.
Dazu gehören Ilê Aiyê, Olodum, Filhos de Gandhy, Oba Laiyê und Afoxé Filhos do Congo.
Im Jahr 1998 hat er Cortejo Afro gegründet.
Seine Arbeiten sind bekannt für starke Farben, Muster und mehrere Schichten.
Seine Stoffe erzählen Geschichten über Erinnerung, Geschichte und Gemeinschaft.
Seine Kunstwerke wurden in vielen Museen und Ausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt.
Mit Stoffen schafft Alberto Pitta Verbindungen zwischen Brasilien und Afrika.
Seine Arbeit bringt verschiedene Kulturen zusammen und würdigt die Traditionen der afrikanischen Diaspora.
Die afrikanische Diaspora bezeichnet Menschen afrikanischer Herkunft und ihre Gemeinschaften außerhalb Afrikas.
Ana Raylander Mártis dos Anjos
Ana Raylander Mártis dos Anjos schafft Kunstwerke auf der Grundlage langjähriger Forschung.
Sie verbindet ihre eigene Geschichte mit den Geschichten anderer Menschen.
Das Kunstwerk in dieser Wanderausstellung ist eine Installation.
Es heißt „Bené’s House“.
Das ist Englisch und bedeutet: Das Haus von Bené.
Eine Installation ist ein Kunstwerk aus mehreren Teilen. Oft füllt sie einen Raum oder einen Teil eines Raums.
Für dieses Werk hat die Künstlerin ihre Familiengeschichte erforscht.
Sie hat Gegenstände aus dem Haus ihres Urgroßvaters Benedito Cândido genutzt.
Das Haus war aus Lehm und Holz.
„Bené“ ist sein Spitzname.
Das Haus gibt es nicht mehr.
Die Gegenstände halten aber die Erinnerung daran lebendig.
Mit diesem Werk zeigt Ana Raylander, wie ihr Urgroßvater ihre Ideen, Werte und ihre künstlerische Arbeit geprägt hat.
Die Installation besteht aus hohen Holzsäulen.
Sie sind mit Stoff, Naturfasern, Wolle, Baumwollhemden und Lederstreifen bedeckt.
Die Farben sind vor allem Beige, Braun, Schwarz, Gelb und Rot.
Sie erinnern an Erde und natürliche Materialien.
Zur Arbeit gehören auch Körbe, Skulpturen und Gegenstände aus dem Haus ihres Urgroßvaters.
Diese Gegenstände erzählen Geschichten über Familie, Erinnerung und Zugehörigkeit.
Die Körbe bestehen aus Naturfasern.
In den Körben liegen Formen aus Stoff.
Sie sind durch das Drehen und Verweben von Fäden entstanden.
Die Körbe verweisen auch auf die Region, in der die Künstlerin geboren wurde: den brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.
Dort gibt es Bergbau.
Gleichzeitig hat das traditionelle Korbflechten eine lange Geschichte.
Zusammen erzählen alle Teile der Installation Geschichten über Familie, Ort, Geschichte und Gemeinschaft.
Lidia Lisbôa
Lidia Lisbôa wurde im brasilianischen Bundesstaat Paraná geboren.
Sie lebt in São Paulo.
Sie schafft Skulpturen, Häkelarbeiten, Performances und Zeichnungen.
Eine Performance ist eine Kunstform. Menschen zeigen sie vor Publikum mit ihrem Körper und ihren Handlungen.
In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Erinnerung, dem Körper, Familiengeschichte und Veränderung.
Häkeln ist ein wichtiger Teil ihrer künstlerischen Arbeit.
Durch das Häkeln schafft sie Kunstwerke über Fürsorge, Widerstandskraft und Erinnerung.
Die Werke in dieser Ausstellung gehören zur Reihe „Tetas que deram de mamar ao mundo“.
Die Werke würdigen Frauen. Sie zeigen auch: Frauen geben Leben Nahrung.
In der Ausstellung hängen drei große Skulpturen aus gehäkeltem Stoff von der Decke.
Ihre runden Formen erinnern an Brüste.
Jede Skulptur hat andere Farben.
Eine ist beige.
Eine andere ist bordeauxrot, weinrot und violett.
Die dritte ist schwarz, braun und dunkelorange.
Die Skulpturen laden zum Nachdenken ein.
Es geht um Fürsorge, Mutterschaft und Erinnerung.
Es geht auch um Stärke.
Diese Stärke wird von Generation zu Generation weitergegeben.
Juliana dos Santos
Juliana dos Santos wurde in São Paulo in Brasilien geboren und lebt dort.
Sie ist bildende Künstlerin.
Sie arbeitet mit Installationen, Videos, Malerei, Performances und Fotografie.
Die Künstlerin beschäftigt sich mit Blau.
Sie gewinnt die Farbe aus einer Blume. Die Blume heißt „Clitoria ternatea“.
Das ist der lateinische Name für die Schmetterlingserbsenblüte.
Mit dieser Farbe zeigt sie Gefühle, Ideen und Erinnerungen.
Ihre Forschung verbindet Kunst, Geschichte und Bildung.
Juliana untersucht, wie Schwarze Künstlerinnen und Künstler ihre Geschichten erzählen. Sie untersucht auch, warum ihre Arbeit oft wenig gesehen wird.
Für die Künstlerin hilft das Blau dieser Blume dabei, Erfahrungen zu fühlen und zu teilen.
Alle Menschen können diese Erfahrung machen.
Juliana erklärt: Die Farbe Blau wurde Teil ihrer Arbeit.
Mit der Farbe Blau spricht sie über verschiedene Seiten des Lebens als Schwarze Person.
Sie zeigt auch, wie Gewalt und Ungleichheit dieses Leben prägen.
Die Werke in dieser Ausstellung gehören zur Reihe „Sopro/aragem/viração“.
Die vier neuen Gemälde sind speziell für diese Wanderausstellung entstanden.
Sie heißen „Sul do Sul“ (2026).
Wie die anderen Werke der Reihe hat die Künstlerin sie mit Blütenblättern der Schmetterlings-Erbsenblüte, Aquarellfarbe und Acrylfarbe auf Leinwand geschaffen.
Die Gemälde zeigen verschiedene Blautöne.
Sie zeigen auch, wie verdünnte Farbe über die Bildfläche fließt.
Die Spuren der Farbe sehen aus wie Zeichnungen.
Sie wirken, als wären sie von Wasser oder Luft gemacht.
Die Gemälde schaffen einen Raum, in dem verschiedene Formen und Farben aufeinandertreffen.
Das Kunstwerk ist von Textilien inspiriert, zum Beispiel von Quilts und Patchwork.
Bei einem Quilt und bei Patchwork näht man Stoffstücke zu einem Muster zusammen.
Dabei treffen freie, natürliche Formen auf regelmäßige Muster aus Formen wie Dreiecken, Quadraten oder Kreisen.
Die Künstlerin lädt Besucherinnen und Besucher ein, genau hinzusehen.
Die blaue Farbe kann sich mit der Zeit verändern.
Das erinnert uns daran: Die Natur hat ihre eigenen Rhythmen.
Alles ist ständig in Bewegung.
Malika Agueznay
Malika Agueznay ist eine wichtige Künstlerin aus Marokko.
Sie hat zu den ersten Frauen in ihrem Land gehört, die abstrakte Kunst geschaffen haben.
Abstrakte Kunst nutzt Formen und Farben. Sie versucht nicht, die Wirklichkeit genau darzustellen.
Malika hat zu einer modernen Kunstbewegung in Marokko gehört.
An der Kunstschule von Casablanca hat sie Künstlerinnen, Künstler, Lehrerinnen und Lehrer getroffen.
Sie haben nach neuen Wegen für Kunst in ihrem Land gesucht.
Gemeinsam haben sie mit Kunst über wichtige Themen nachgedacht.
Zum Beispiel über Politik und Gesellschaft.
Sie haben Werke mit starken Farben, Formen, Linien und geometrischen Figuren geschaffen.
Malika hat ihre eigene künstlerische Arbeit entwickelt.
Sie hat verschiedene Materialien und Techniken genutzt.
Ihr ganzes Leben lang hat sie sich mit Formen aus der Natur beschäftigt.
Besonders interessierten sie Algen.
Im Jahr 1978 hat Malika Agueznay die Technik des Druckens kennengelernt.
Beim Drucken zeichnet oder schnitzt man ein Bild in eine Platte.
Dann trägt man Farbe auf.
Danach druckt man das Bild auf Papier.
Nachdem sie die Drucktechnik kennengelernt hatte, hat sie mehr ausprobiert und freier gearbeitet.
Später ist sie nach New York gezogen, um ihre künstlerische Arbeit weiterzuentwickeln. Sie hat in den Ateliers anderer Künstlerinnen und Künstler gearbeitet.
An der Kunstschule von Casablanca hat Malika auch Arbeitstische mit Keramikfliesen geschaffen.
Auf diese Fliesen hat sie Algenformen und kreisförmige Zeichen gezeichnet.
In der Wanderausstellung der 36. Bienal werden Malika Agueznays Arbeiten als Fahnen mit gedruckten Bildern gezeigt.
Die Fahnen beruhen auf drei ihrer Kunstwerke: „Le paradis sous les pas des mères“ (1996), „Tiqlit“ (1991) und „La paix, assalam“ (2012).
Die bunten Bilder zeigen runde Formen, die von der Natur angeregt sind.
Sie erinnern besonders an Algen.
Die Formen haben Blautöne, Orangetöne und Rottöne.
Manche Formen sehen aus wie fliegende Vögel.
Andere erinnern an Blumen oder Meerespflanzen.
Die Wiederholung der Formen schafft ein Gefühl von Bewegung und Rhythmus.
Die Werke laden Besucherinnen und Besucher ein, einen Raum voller Farbe und Energie zu erleben.
Mao Ishikawa
Mao Ishikawa wurde in Ōgimi geboren und lebt in Tomigusuku in Japan.
Sie ist Fotografin und Aktivistin.
Sie dokumentiert das Leben auf Okinawa.
Sie setzt sich auch kritisch mit den Militärstützpunkten der Vereinigten Staaten in der Region auseinander.
Das Militär der Vereinigten Staaten hat Okinawa 25 Jahre lang besetzt.
Mao Ishikawa fotografiert Frauen, die in Bars arbeiten, Künstlerinnen und Künstler, Soldaten und Menschen aus Gruppen, die oft ausgegrenzt werden.
Sie arbeitet nah an den Menschen und direkt.
Sie verbringt Zeit mit den Menschen, die sie fotografiert.
So möchte sie ihr Leben und ihre Umgebung verstehen.
Ihre Fotografien verurteilen diese Gruppen nicht.
Sie stellen sie auch nicht als etwas Fremdes oder Exotisches dar.
Stattdessen zeigen sie Beziehungen, Freundschaften und Zusammenhalt zwischen Menschen, die am selben Ort leben.
Viele ihrer Fotos zeigen Soldaten mit niedrigem Rang.
Die meisten von ihnen sind Afroamerikaner.
Sie sind weit von ihrer Heimat entfernt.
Auf den Fotos sind sie mit Frauen aus Okinawa zusammen.
Diese Frauen arbeiten in Berufen, die oft wenig Anerkennung erhalten.
Die Künstlerin hat auch außerhalb von Okinawa fotografiert.
Auf einer Reise nach Philadelphia in den Vereinigten Staaten hat sie etwa zwei Monate mit ihrem Freund Myron Carr verbracht.
Er war früher Soldat.
Fern vom Militär zeigen ihre Fotografien Momente aus dem Alltag.
Sie zeigen Freundschaften, Familientreffen, spielende Kinder, Gespräche und Spaziergänge durch die Stadt.
Die Wanderausstellung der 36. Bienal zeigt Schwarz-Weiß-Fotografien von Mao Ishikawa.
Eine Fotografie hat keinen Titel.
Sie gehört zur Reihe Life in Philly.
Das ist Englisch und bedeutet: „Das Leben in Philadelphia“.
Das Foto zeigt vier Schwarze Kinder neben zwei abgestellten Motorrädern.
Im Vordergrund lächelt ein Mädchen in die Kamera.
Ihr Haar ist zu einem Zopf geflochten. Der Zopf liegt über ihrem Kopf.
Hinter ihr lächelt ein weiteres Mädchen breit.
Ein Junge sitzt auf einem der Motorräder. Er schaut in die Kamera und hebt eine Hand.
Ein weiterer Junge sitzt auf dem zweiten Motorrad.
Er schaut ernst in die Kamera.
Das Foto zeigt einen Moment aus dem Alltag.
Es zeigt Freundschaft, Spiel und das Zusammenleben in einer Gemeinschaft.
In einem Interview hat Mao Ishikawa gesagt:
„Manche Menschen denken vielleicht: Ich bin mutig. Aber ich bin auch sehr sensibel. Ich liebe die Menschen. Das ist mir besonders wichtig. Das gibt mir den Mut, auf Menschen zuzugehen.“
Maria Auxiliadora
Maria Auxiliadora wurde in Campo Belo im Bundesstaat Minas Gerais geboren.
Als Kind ist sie nach São Paulo gezogen.
Sie war das vierte Kind in einer Familie mit 18 Geschwistern.
Ihre Familie hat in verschiedenen Stadtteilen von São Paulo gelebt.
Dazu hat Casa Verde gehört.
Casa Verde ist für seine Samba-Tradition bekannt.
Samba ist ein brasilianischer Musik- und Tanzstil mit afrikanischen Wurzeln.
Samba ist für Rhythmus und Bewegung bekannt.
Bei Festen in Gemeinschaften spielt Samba eine wichtige Rolle.
Maria Auxiliadora hat sehr jung begonnen zu arbeiten.
Damals war sie etwa zwölf Jahre alt.
Sie musste die Schule verlassen.
Sie hat als Kinderfrau, Kellnerin, Köchin und Stickerin gearbeitet.
Später konnte sie sich ganz der Malerei widmen.
Wie viele andere Schwarze Künstlerinnen und Künstler hat Maria Auxiliadora keine Ausbildung an einer Kunstschule erhalten.
Sie ist aber in einer sehr künstlerischen Familie aufgewachsen.
Zu ihrer Familie haben Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Malerinnen und Maler sowie Musikerinnen und Musiker gehört.
Auch ihre Mutter war Künstlerin.
Sie hat Figuren aus Holz geschnitzt und sie auf der Praça da República in São Paulo verkauft.
Es wird erzählt, dass ihre Mutter Maria Auxiliadora zum Malen ermutigt hat.
Maria Auxiliadoras Zeit als Künstlerin war kurz.
Sie ist im Alter von 39 Jahren an Krebs gestorben.
Trotzdem hat sie viele Werke geschaffen. Ihre Gemälde wurden oft ausgestellt.
Maria Auxiliadora hat Kritikerinnen, Kritiker, Sammlerinnen und Sammler getroffen.
Sie haben mehr Menschen auf ihre Arbeit aufmerksam gemacht.
Trotzdem haben Menschen ihre Gemälde oft als naive Kunst bezeichnet.
Das Wort „naiv“ hat man für Kunst von Menschen ohne offizielle Ausbildung genutzt. Und für Menschen außerhalb der offiziellen Kunstwelt.
Diese Bezeichnung hat eine Geschichte von Vorurteilen.
Wenn Menschen Maria Auxiliadoras Werke als „naiv“ bezeichnen, ist das eine eingeschränkte und abwertende Sicht auf ihre Kunst.
Diese Bezeichnung berücksichtigt ihre technischen Fähigkeiten und ihre Kreativität nicht an.
Maria Auxiliadora war Teil einer Künstlergruppe.
Der Dichter Solano Trindade hat diese Gruppe in Embu das Artes geleitet.
Im Jahr 1971 hatte sie ihre erste Ausstellung nur mit ihren eigenen Werken.
Sie war in der Bibliothek des Konsulats der Vereinigten Staaten in São Paulo.
Maria Auxiliadora hat ihre eigene Maltechnik entwickelt.
Eine ihrer Neuerungen war eine Schicht aus Gips auf der Leinwand.
Dadurch wirken ihre Gemälde, als hätten sie Tiefe.
Sie hat sehr genau auf Details geachtet, besonders auf Gesichter, Hände und Kleidung.
Dadurch wirken die Menschen auf den Bildern besonders nah und lebendig.
Sie hat starke und leuchtende Farben verwendet.
Damit hat sie die Energie der Menschen auf ihren Bildern betont.
Ihre Bilder betonen Details, die jede Person einzigartig machen.
Stoffe und Mode kommen in ihrer Arbeit oft vor.
Besonders wichtig ist die Stickerei.
Sie wurde zu einem wichtigen Merkmal ihrer Gemälde.
Sie hat Dinge aus dem wirklichen Leben mit Fantasie verbunden.
Das hat sie besonders bei Werken über afro-brasilianische Religionen getan.
Maria Auxiliadora hat eigene Art zu malen entwickelt.
Sie erzählt damit vom persönlichen Leben Schwarzer Menschen.
Ihre Gemälde zeigen Szenen aus dem Alltag, Familienleben, Religion und Arbeit.
Sie zeigen auch Feiern in Gemeinschaften.
Ihre Bilder zeigen diese Szenen mit Freude und Fürsorge.
Ihre Werke zeigen: Menschen gehören zusammen. Sie zeigen auch gemeinsame Erfahrungen.
Die Wanderausstellung zeigt drei Gemälde von Maria Auxiliadora.
Zwei Gemälde stammen aus den 1970er-Jahren, ein Gemälde hat kein Datum.
Die beiden Gemälde aus den 1970er-Jahren zeigen Menschen beim Tanzen.
Sie tanzen in einem geschlossenen Raum, der an einen Festsaal erinnert.
Manche Menschen tanzen allein, andere tanzen zu zweit.
Die Gemälde haben leuchtende Farben und viele Details.
Die Gemälde zeigen Szenen aus dem Alltag. Sie sind farbenfroh und haben viele Details.
Angebote für Barrierefreiheit
Die Bienal de São Paulo hat eine Richtlinie für Barrierefreiheit und Teilhabe.
Die Bienal und das Haus der Kulturen der Welt bieten verschiedene Hilfen an.
Sie wollen allen Menschen die gleichen Möglichkeiten geben.
Alle Menschen sollen teilnehmen können.
Audioguide für alle
Es gibt einen Audioguide für alle Menschen.
Er enthält Informationen über die Ausstellung und Audio-Beschreibungen von einigen Kunstwerken.
Audiobeschreibungen erklären, was auf einem Kunstwerk zu sehen ist.
Sie können den Audioguide über QR-Codes aufrufen.
Die QR-Codes finden Sie im Handbuch und auf Plakaten im Ausstellungsraum.
Den Audioguide finden Sie im digitalen Ausstellungsführer.
Wir laden Sie ein: Nutzen Sie den Audioguide und erfahren Sie mehr über die Werke der Künstlerinnen und Künstler.
Video in Internationaler Gebärdensprache
Im digitalen Ausstellungsführer gibt es auch eine Einführung in die Ausstellung in Internationaler Gebärdensprache.
Einfache Sprache
Dieser Leitfaden in Einfacher Sprache ist ebenfalls im digitalen Ausstellungsführer verfügbar.
Braille und große Schrift
Die Bienal bietet Materialien in Braille und großer Schrift an.
So können Besucherinnen und Besucher Informationen über die Ausstellung nutzen.
Sie können diese Materialien beim Team des Hauses der Kulturen der Welt anfordern.
Bloomberg Connects
In der App „Bienal de São Paulo Bloomberg Connects“ finden Sie mehr Informationen über die Ausstellung. Dort finden Sie auch Bildbeschreibungen.
Sie können die App über einen QR-Code aufrufen. Den QR-Code finden Sie im Handbuch und auf Plakaten im Ausstellungsraum.
Mitwirkende
Das Team der Bienal de São Paulo hat diesen Leitfaden zusammen mit dem Team des Hauses der Kulturen der Welt erstellt.
Menschen mit Behinderungen wirkten an der Erstellung mit.
Die Beratungsorganisation Mais Diferenças hat bei der Erstellung und Erprobung dieses Materials geholfen.
Menschen mit Behinderungen haben das Material mit Mais Diferenças getestet.
Mais Diferenças hat seinen Sitz in Brasilien.